Dienstag, 15. April 2008

Amerikanisches Remake von GHOST IN THE SHELL in Arbeit

Während mich die wiederholte Verfilmung von Hulk kalt lässt (dann lieber noch Iron Man ... anderseits hatte ich auch bei Batman Begins überflüssige Zweifel), hat mich heute die Ankündigung, dass Steven Spielberg Ghost in the Shell in "3-D live-action" (keine Ahnung, welches Verfahren genau gemeint ist) "neu" verfilmen lassen will, sehr durcheinander gebracht. Allerdings scheint er nicht selbst in Regiestuhl Platz zu nehmen.

Zuerst mal meine Ängste: Da ist zum einen ein grosser Teil Skepsis, weil der gute Mann eher mit coolen, aber nicht sehr hintergründigen Blockbustern assoziiert wird. Viel skeptischer bin ich aber dem Drehbuchautor (Jamie Moss) gegenüber eingestellt, weil ich noch nichts von ihm gesehen hab und er ein unbeschriebenes Blatt ist (gut, das spricht eigentlich wieder für ihn, dass dem ein solches Projekt anvertraut wird). Anderseits hab ich generell negative Assoziationen mit "Amerikanisierungen", ich meine hier die Hollywood-Remakes aussergewöhnlich erfolgreicher Filme von nicht-amerikanischen Produktionsfirmen. Vor allem aber hab ich ganz einfach ein Faible für die Mentalität in asiatischen Filmen (sprich: keine Kompromisse, pure Konsequenz und Schonungslosigkeit; also die wahre poetische Offenheit). Als Fan hab ich deswegen Angst davor, dass man den Film nicht für ein erwachsenes, sondern ein jugendliches Publikum konzipiert und die "erschreckende" Botschaft des Films verharmlost, gar verkitscht. Dies wird natürlich dadurch gesteigert, dass ich das Original fast auswendig kenne (seinen Ghost quasi aufgesogen habe) und mir bei der definitiven Visionierung des Remakes sicherlich sofort jenste negativen Dinge auffallen werden.

Nun die Hoffnung: Spielberg scheint wirklich persönlich an dem Stoff interessiert zu sein (na ist doch logisch!), was als ein gutes Zeichen gewertet werden kann. Er hat ja nicht nur anspruchslosere Filme gemacht, sondern beispielsweise auch Empire of the Sun (worin übrigens Batman Christian Bale, einer meiner absoluten Schauspieler-Götter, damals zarte 13 Jahre, die Hauptrolle gespielt hat). Ausserdem bekommt das GitS-Universum mal wieder etwas mehr Aufmerksamkeit (und damit ev. auch mein Blog!). In Hinsicht auf die Tatsache, dass auch Akira auf jener Seite des Teichs neu inszeniert wird, kann man vielleicht sogar von einem neuen Interessensschub für die gesamte Anime-Welt sprechen, was sehr erfreulich wäre (seit 2005 und den damit verbundenen Neu-Synchronisierungen haben wir zwar wenig zu meckern).

Hui, ist noch nix konkretes erschienen, trotzdem ist meine Birne voll davon! Dabei weiss man nicht einmal, wie's mit der geplanten 3D-Technik und deren Verbreitung 2009 aussehen wird...

Fest steht: Ich bin verdammt gespannt!!!!!

(via F5)

Kommentare:

brotherpain hat gesagt…

Gibt ja auch positive Beispiele von Amerikanisierung: The Departed, Ring (zumindest fuer mich besser als die Orginale), Last Man Standing...zugegeben es gibt mehr schlechte Beispiele und der gute Steven is ja ein Kanidat fuer Verwurstungen (A.I., Saving Private Ryan abgesehn von der ersten Szene, u.v.m.). Spannend wird's allemal...

gameria hat gesagt…

Hi Dav! Ja, es gibt auch positive Beispiele! Ich will hier aber verdeutlichen, dass die Tendenz halt in Richtung Überkommerzialisierung (eine Verwässerung der Würze des Films) geht. Schön natürlich einerseits, dass dadurch neue Personen Zugang zu einem Stoff finden. Was mich aber anderseits fuxt, ist, dass oftmals die Anerkennung für das Original flöten geht, weil sich die meisten nur das Remake ansehen oder gar keine Ahnung von der Existenz des Referenzwerkes haben.

Schoko hat gesagt…

Gude,
vielleicht kann ich ein wenig helfen: 3-D live-action meint eine reale Verfilmung (mit Schauspielern) bei gleichzeitigem 3-D Effekt (so wie die 3-D Versionen im IMAX)... also mit Brille. Da wiederum gibt es verschiedene Verfahren, die sich im Resultat aber alle ähnlich sind. Ich weiss nicht, für GitS wird weniger der Inhalt schwierig werden, als die Realumsetzung dieser im Anime doch sehr oppolenten Welt. Kann natürlich auch ästhetisch in die Richtung von Sin City gehen (der Layer Effekt zumindest)...

brotherpain hat gesagt…

also ich finds scheisse dass der steven das macht...die sollten lieber Darren Aronofsky an pi erinnern und ihn das ganze machen lassen...evtl auch im comic-stil...aber halt in nem westlichen.aber nich schon wieder frank miller...kenn mich mit comic jungs nich so aus....aber gibt ja auch andere krasse sachen die n bisschen nen formalistischen (?) einschlag haben...

gameria hat gesagt…

danke Herr Schokobär! Weisst du, ob das Verfahren mit der momentanen 3D-Technik (z.B. Beowulf) in entsprechenden Kinos kompatibel ist oder ob es sich gar um dasselbe Verfahren handelt (z.B. war die nachträgliche 3dimensionalisierung eines "Realfilms" wie bei Nightmare Before Christmas auch möglich)?
Ahoi!!

Schoko hat gesagt…

Äh, nicht sicher, was du meinst. Live-Action meint aber, dass du echte Schauspieler sehen wirst. Also keine Beowulf Animation, die einfach durch Motion Capture von den Bewegungen eines Schauspielers gesteuert wird. Diese normalen Schauspieler können natürlich ästhetisch durch Layers verändert werden (Sin City). Welches 3D Verfahren verwendet wird, ist nach den ersten Infos noch komplett offen. Aber ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass er überall als 3D veröffentlicht wird ... so populär ist das Format auch wieder nicht. Andererseits: es ist Spielberg und vielleicht wird er im Alter ja doch ein wenig experimentierfreudiger... .

P.s. A.I. ist ein brillianter Film ... von der Story bis hin zum Schauspiel. Die letzten 10 Minuten stinken ab; aber die hat ja auch nicht Kubrick drangehauen, sondern Spielberg. Hmpf. Muss man zum Glück ja nicht gucken.

Raphi hat gesagt…

Ich kann mir "Ghost in the Shell" nicht wirklich vorstellen in diesem 3D-Dingsbums-Verfahren. Noch wichtiger ist für mich aber die Frage, welche Schauspieler nimmt man? Ich kann es nämlich nicht ausstehen, wenn für ausdrucksstarke Charaktere völlig unpassende Schauspieler herangezogen werden. Ganz spontan habe ich jetzt an Milla Jovovich für Major Motoko Kusanagi gedacht -aufgrund des "Ballerfrau-Images" aus Resident Evil - und doch wär sie total unpassend für die Rolle...Naja, wir werden sehen.

gameria hat gesagt…

Daran hab ich noch gar nicht gedacht!! Aber ich bin der Meinung, dass Spielberg (auch wenn er nur als Produzent tätig ist), stets ein gutes Händchen für die Besetzung und deren Schauspiel hat. Ausserdem mach ich mir weniger darum Sorgen, dass es ein Life-Action-Film ist, weil sobald Spielberg involviert ist, sieht der Film sensationell aus. Man muss nur mal an AI und die klasse Maskenarbeit zB bei Jude Law oder Haley Joel Osment denken. Ich denke die grösste Gefahr geht von (sag ich jezt mal überspitzt) Spielbergs "Disney-Weltvorstellung" aus.

Inkognito hat gesagt…

Die Amerikanisierung ist aber sicherlich ein interessanter Aspekt. Klar, im Grossen und Ganzen finde ich diesen Effekt alles andere als Sinnvoll. Die Message und, wie du erwähnt hast, die Kompromisslosigkeit werden sicherlich leiden und das sind sehr ausschlaggebende und wichtige Elemente der Japanischen Geschichtenerzählung (zumindest meiner Ansicht nach).

Andereseits ist es auch so wie brotherpain sagt, es kommen positive Effekte hinzu (zumindest für uns Westler). Die für uns oft sehr wirre Erzählart wird wahrscheinlich etwas gedämpft. Ok, bei Ghost in the Shell ist das nicht wirklich ausgeprägt, aber bei vielen anderen Mangas und anderen Japanischen Filmen wie Howl's Moving Castle fand ich den Erzählstrang doch eher ungewohnt.

Nun realisiere ich aber, dass auch "Howl's Moving Castle" nicht ein klassischer Japanischer Film ist, da sich, sollte ich mich nicht täuschen, Hayao Miyazaki sich oft Westlicher (oft Russischer?) Geschichten bediente um seine Filme zu machen.

Somit ist meine Argumentation etwas löcherig .. womöglich kann jemand der sich hierbei besser auskennt den Gedanken weiterführen?

gameria hat gesagt…

Die Chance, dass einige Aspekte des Stoffes (für uns) leichter fassbar werden finde ich auch interessant - und stimme dir bei der westlichen Verwirrung über östliche Erzählkonventionen auch zu. Aber wie du bereits angemerkt hast, hat GitS, der seine Message weitgehend explizit ausspricht (was viele [ausgenommen von mir!!!!!] als pseudo-philosophisch bezeichnen), hat doch wenig an diesen zu leiden. Da empfinde ich, ebenfalls wie du, schon eher Howl's Moving Castle mit seiner märchenhaften Verfremdung/Symbolisierung als verwirrend (generell mag ich die in dieser Weise abgewandelten Geschichten von Mijazaki nicht so sehr, wie seine "konkreteren" Meisterwerke à la "Princess Mononoke").

Hmm, bezüglich des Ursprungs seiner Stoffe bin ich überfragt.

Inkognito hat gesagt…

Jedenfalls glaube ich, dass durch die "3D Live-Action", bzw. den Mangel an gezeichneten Szenen, dieser Film von den westlichen Zuschauern viel eher als ein Film für Erwachsene akzeptiert wird.

Tja, jetzt bin ich mit meinen pseudo Anime Kentnissen schon am Ende angelangt...

Dies ist aber wirklich ein Genre in das ich mich gerne etwas vertiefen würde.
Ich habe vor einer Weile ab und an einzelne Animes gesehen und war eigentlich meist positiv überrascht. Leider habe ich keine Ahnung worum diese Filme handelten geschweige den wie sie hiessen.

gameria hat gesagt…

Hört sich plausibel an, der Punkt bezüglich 3-D.

Hab hier noch meine Anime-Favoriten (Kinofilme), falls du noch Tipps brauchst ... und keine Angst, sind keine Tentacle-Rape-Animes oder sonstigen Sauereien dabei ;-)

- Vampire Hunter D: Bloodlust (2000)
- Jin-Roh - The Wolf Brigade (1998)
- Nausicaä - From the Valley of the Wind (1984, Special Edition [völlige Neubearbeitung und reintegration geschnittener Szenen])
- Princess Mononoke (1997)
- Grave of the Fireflies (1988)
- Appleseed (2004)
- natürlich alles von GitS

Inkognito hat gesagt…

Och, kene Tentacle-Rape Sachen? Schade eigentlich :-)

Vielen Dank für die Zusammenstellung der Liste. Ist sie nach einem bestimmten Kriterium sortiert?

gameria hat gesagt…

nee, steckt keine Systematik dahinter.
vielleicht noch ein paar Anmerkungen zu den Titeln:

Vampire Hunter D: wunderschöner Ghothic-Stil & grandiose Atmosphäre & herausragende Ideen -> der Film hat den unterschiedlichsten Leuten gefallen!

Jin-Roh: spielt in einer alternativen Realität nach dem 2. Weltkrieg; ist einer meiner Lieblings-Filme; nicht von der vordergründigen "böser Wolf"-Thematik abschrecken lassen, weil die Japaner ziehens mal wieder knallhart durch

Nausicaä [gesprochen: Nau-sica]: ist zwar ein "Kinderfilm" aber von der (mal wieder hammermässigen) Story her überaus erwachsener als die Disney-Filme; wunderschönes Fantasy-Szenario mit deutlichen Anleihen an Princess Mononoke (Regie: Miyazaki)

Princess Mononoke: braucht man nicht mehr viel dazu zu sagen

Grave of the Fireflies: ein Junge versucht verzweifelt seine kleine Schwester im kriegsgeplagten Japan am Leben zu halten; unglaubliche Tragödie, leise und ohne Fingerzeig; so ziemlich die authentischste Kinderdarstellung, die ich bis jetzt gesehen habe

Appleseed: vgl. AMV "Reload"; sagen wirs so: zuerst Hammer-Action, dann Story, dann wieder Hammer-Action

vergessen habe ich eigentlich noch den genialen Psycho-Horror-Thriller im Hitchcock-Stil "Perfect Blue" (1998) von Satoshi Kon, den bis jetzt auch jeder hervorragend fand

Inkognito hat gesagt…

Grave of the Fireflies: Ist da die Eröffnungsszene ein immenses Bombardement einer Stadt, aus der Sicht der Bewohner?

Konnte leider nur diese Szene sehen, hat aber cool ausgesehen. Wäre cool wenn es der Film ist denn ich meine, hab den Namen nämlich schon lange gesucht.

gameria hat gesagt…

hmm, entweder du meinst diesen Titel (google: Hotaru no haka), der von der Bombardierung her die schleichende Zermürbung der Brandbomben beschreibt (die kommen leise daher und explodieren nicht, sondern lassen die Holzstädte in Flamme aufgehen). Oder du meinst "Barfuss durch Hiroshima" (google: hadashi no gen), bei welchem der blanke Terror durch die Atombombe gezeigt wird.
Beide Filme sind autobiografisch und thematisieren die verheerenden kurz- und mittelfristigen Folgen dieser Bombenangriffe aus der Sicht von Kindern. Bei ersterem kommt das Bombardement jedoch früher im Film.