Posts mit dem Label Filmkritik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Filmkritik werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 26. Dezember 2009

Avatar - Kurze Filmkritik (spoilerfrei)

Eigentlich hat die Story hat an und für sich nur wenig Überraschung anzubieten und die Figuren bleiben mitunter ziemlich blass. Trotzdem weiss einen der Film in seinen Bann zu ziehen, wie nur wenige "Blockbuster" der letzten Jahre.
Natürlich wäre da erstmal das erfrischende Setting, welches Fantasy und Sci-Fi so schön zusammenbringt. Die Gestaltung der Welt Pandora und deren Flora und Fauna ist schlicht phänomenal. Diese wird nur durch die berauschenden Animationen der Na'vi bzw. Na'vi-Formen der Menschen überboten, welche in Sachen Mimik eine Lebensechtheit und Ausdrucksstärke an den Tag legen, die man bei vergleichbarer Menschenähnlichkeit nur selten gesehen haben dürfte. Das Uncanny Valley wird meisterhaft umgangen, wie es vielleicht seit Gollum nicht mehr der Fall gewesen ist. Besonders Neytiri - meiner Meinung nach das eigentliche Herz des Films - hinterlässt auch von ihrer Figurenzeichnung her einen denkwürdigen Eindruck. Jake Sully gefällt eigentlich nur wirklich in seiner Na'vi-Form, was aber in erster Linie storybedingt bzw. funktional zur Message ist (Gefühle zeigen ja alle Menschen nur in blauer Haut).
Generell sieht man das immense Budget dem Film in jeder Einstellung und jeder Kamerafahrt deutlich an. Die Technik wird hier aber viel weniger zum Eigenzweck eingesetzt, als es bei Blockbustern so oft der Fall ist. Auf dreidimensionale Effekthascherei wird weitgehend verzichtet und die Action ordnet sich konsequent der wunderbar naturverbundenen Message unter, kommt aber alles andere als zu kurz. Zu was Altmeister Cameron in Sachen Spannung und Action fähig ist, dürfte jedem spätestens im letzten Drittel klar werden, wo diesbezüglich dermassen zugelegt wird, dass man minutenlang das Blinzeln "vergessen" kann. Das beste daran: das Geschehen bleibt die allermeiste Zeit glaubwürdig und nachvollziehbar und kommt ohne nervige augenscheinliche Unmöglichkeiten aus. Der Regisseur hat es ferner wieder einmal geschafft, mit seiner ebnenso rasanten wie vereinnahmenden Inszenierung trotz mittelmässiger (weil zu klassischer) Story und nebst einem bombastischen Spektakel einen Film auf die Beine zu stellen, der Charme, Herz und Seele hat.
Zwar ist die Message bzw. Weltanschauung kinderleicht direkt während der Rezeption zu verstehen, trotzdem bleibt der Zeigefinger angenehm im Hintergrund der Inszenierung eingewebt. Ich würde sagen es geht nicht in erster Linie darum zu zeigen, was alles so schlecht an der Menschheit ist, sondern was für eine märchenhaft mit dem Planeten ausbalancierte Lebensweise die Na'vi pflegen.

Fazit: Ein Film zum darin versinken. Trotz einiger Story- und Figurendefizite versetzt einen die ebenso rasante wie vereinnahmende Inszenierung, die berauschend lebensecht animierten Na'vi, die phänomenale Gestaltung der Welt Pandora und die angenehm unaufdringliche, wunderbar naturverbundene Message in einen tiefen Traum. Dafür gibts ne glatte sechs.

Sonntag, 23. November 2008

MAX PAYNE (USA, 2008) - Kurzreview


Zuerst das beste: Das Spiel wird sehr ernst genommen und man hält sich eng an die darin geschilderten Ereignisse. Die erste Hälfte überzeugt in diesem Sinne durch eine dunkle Stimmung und überrascht mit Fokus auf die düstere Story statt einer unmotivierten Aneinanderreihung von Bullet-Time-Aufnahmen. Meiner Meinung nach bewerkstelligen es die Filmemacher, den Comic-Look auch ohne Schwarz-Weiss-Filter und Green-Screen-Aufnahmen zu verwirklichen.
Besonders positiv will ich hier auch die eindrucksvolle Ästhetik erwähnen, als Max Payne unter Halluzinationen auf seinem Rachefeldzug durch das postapokalytptische New York schreitet - unter einem brennendem, von Dämonen besetzten Himmel.
Die Figuren sind durchgängig mit bekannten Gesichtern besetzt, welche aber alle ausnahmslos hervorragend zu den vom Spiel vorgegebenen Figuren passen (vor allem die Besetzung des überforderten Anwalts mit Chris O'Donnell erscheint mir sehr clever). Mark Wahlberg hat mich in der Rolle des titelgebenden Max Payne zum ersten Mal zufrieden gestellt - ausser in der Szene, in der er weinen muss ... naja, besser als ich erwartet habe.
Leider erscheint mir der letzte Drittel des Films nicht mehr so stimmig. Hier wird mir zuwenig eindrucksvolle Action geliefert, als dass der Film es sich erlauben darf, plötzlich völlig auf Story zu verzichten. Ein richtig martialistischer Showdown fehlt eigentlich völlig. Wieso wurde nicht das apokalyptische Szenario mit Bullet-Time-Action verbunden und so etwas völlig einzigartiges kreiert?
Nicht nur aufgrund des nicht vorhandenen Finales fehlen dem Film schlicht noch die Höhepunkte. Vor allem der Mord an der Familie von Max Payne ist meiner Meinung nach zu harmlos geworden. Ich finde es ja lobenswert, dass nicht reisserisch auf exzessive Gewalt gesetzt wurde, aber wenn man ein solches Ereignis so "zurückhaltend" aufziehen will, muss umso mehr der Schauspieler in seinen Bann ziehen. Genau in dieser Szene vermag aber Wahlberg nicht zu überzeugen. Ich bleibe beim auslösenden Ereignis eher draussen.
Leider ist auch der obligatorische (das Spiel besteht NUR aus Bullet-Time!) Einsatz der Bullet-Time eher mangelhaft ausgefallen. Im Club Ragna Rok (Typ zerschiesst Valkyre-Fläschchen) wirkt sie völlig depaltziert, schreit dafür umso mehr bei der Flucht aus dem Aegis-Gebäude (Geisel wird erschossen) vergeblich nach ihrem exzessiveren Einsatz.

Grosser Tipp: Bleibt bis nach dem Abspann!

Fazit: Fans der Games dürfen sicherlich einen Blick wagen, sollten aber keinesfalls einen Bullet-Time-Overkill erwarten. Der Film punktet eher durch story- und figurentechnische Werktreue. Da mir trotzdem die Höhepunkte in dem Film fehlen, gibts nur drei von sechs Punkte, also ein durchschnittlich.

Samstag, 23. August 2008

Happy-Go-Lucky (GB, 2008) - Filmkritik


Happy-Go-Lucky hat einen eindeutigen Hang zum Dokumentarischen. Der Film folgt nicht wirklich einer dichten, dramatischen, in sich geschlossenen Storyline - das Drehbuch ist an und für sich nichts spannendes - sondern verlässt sich fast vollends auf das Schauspiel und fokussiert den Moment bzw. die Details. Es geht mehr um den Alltag und die kleineren Konflikte darin als um erschütternde Ereignisse. Doch Langeweile kommt in dem heiter-chaotischen Treiben keinesfalls auf und zusammenhangslos erscheint das ganze bis auf die Szene mit dem Penner nie. Ganz im Gegenteil, die brillianten Darsteller und Regie meistern die durch die Inszenierungsform hohen Anforderungen mit Bravour. Sally Hawkins als extrem lebensfreudige, herrlich unverfrorene, durch nichts unterzukriegende und etwas durchgeknallte Poppy ist dabei eindeutig das grosse Highlight des Films, indem sie nicht nur in ausnahmslos jeder Sekunde überzeugt, sondern geradezu begeistert! Beispielsweise gibt es eine Szene in einem Flamenco-Kurs, worin eigentlich nichts passiert, ausser dass man sieht, wie fehl am Platz die Protagonistin da ist. Aber schon allein die überaus ausdrucksstarke und präzise Mimik und Gestik von Sally Hawkins macht die Szene zu einem Heiden-Spass, ohne dass sie plakativ wirkt. Hauptdarstellerin und Regisseur gelingt es spielerisch-beiläufig, durch die komischen Alltäglichkeiten hindurch eine erkennbare, vielschichtige Hauptfigur zu kreieren. Als Schilderung der Weltsicht von Polly funktioniert der Film somit sehr gut.
Auch wenn die Kamera die Protagonistin nie verlässt, kommt ihr soziales Umfeld keineswegs zu kurz. Polly ist alles andere als isoliert. Die restlichen Figuren sind dabei nicht gerade die vielschichtigsten, aber im Sinne des dokumentarischen Realismus unheimlich glaubwürdig und offenbaren viel Wahrheit. Eigentlich ist das Schauspiel von nahezu jedem einzelnen Darsteller (auch Schulkinder!) über alle Zweifel erhaben. Nebst Sally Hawkins ist vor allem der scheinbar auf Speed befindliche Eddie Marsan, der den fast schon zu stereotypen, cholerischen Fahrlehrer mimt, schauspielerisch eine Wucht. Die wöchentliche Auseinandersetzung mit ihm ist einfach nur haarsträubend!
Ansonsten ist der Film insgesamt sehr unbeschwert. Es gibt nicht nur wenig eindringliche Dramatik, sondern auch so gut wie keine Gewalt, was hier aber ohnehin völlig fehl ab Platz wäre. Im Grunde kann man ihn als Frauenfilm bezeichnen. Nicht nur wegen seiner Eignung für zartbesaitete Gemüter, sondern auch wegen der herrliche schrägen, quirlig-bunten Mädelkonstellation um die Protagonistin. Das tolle an ihnen finde ich, dass sie zwar Lehrerinnen oder sonstige Autoritätsfiguren sind, sich aber alles andere als erwachsen verhalten, ohne naiv oder sonst wie unterbelichtet zu erscheinen. Die Bezeichnung als Frauenfilm sollte nun nicht falsch verstanden werden, denn der britisch-derbe Humor sorgt für genügend Ausgleich, so dass auch ich mich als Mann pudelwohl fühle.
Trotzdem, so sehr ich auch die schauspielerische Leistung genossen und die Glaubwürdigkeit des Films bewundert habe, so sehr fehlt mir aber letzendlich ein deutlicher roter Faden, eine dichte Storyline. Ich persönlich brauche mehr Entwicklung, mehr tiefgreifende Veränderung. Für mich ist das ganze mit anderen Worten noch zu sehr eine Beschreibung des Status Quo, als dass ich insgesamt von einem sehr guten Film sprechen kann. Gut (vier von sechs Punkte) ist er aber ohne jeden Zweifel. Ich würde hier eher von einer abgerundeten viereinhalb sprechen.

Fazit: Chaotisch-unverfrorene, köstliche britische Komödie über den Alltag, die dank genialem Ensemble (v.a. Sally Hawkins!) überzeugt. Für eine höhere Wertung als vier von sechs Punkte fehlt mir dennoch eine dichte Storyline mit tiefgreifenden Veränderungen. Leute, die eine extrem lebenslustige und quirlige Protagonistin in ihrer überaus witzigen Auseinandersetzung mit Alltaglichkeiten schätzen, sollten auf alle Fälle einen Blick wagen. Leute, die auf ein dramatisches Drehbuch nicht verzichten und aufgedrehte Mädels nicht ausstehen können, dürften wenig Gefallen an dem Film finden.

Montag, 21. Juli 2008

KUNG FU PANDA (USA, 2008) - Filmkritik

Positiv:
  • bombastisches Non-Stop-Gag-Feuerwerk
  • brilliante Animationen (stimmige Mischung aus comichaftem Design, cartoonhafter Animation und "realistischer" Mimik)
  • herrlich überzeichnete Figuren
  • dank niedrigem Gewaltgrad auch für die ganz Kleinen geeignet!
Negativ:
  • Story ist zwar solide inszeniert, wirkt aber noch etwas zu sehr wie eine Abfolge von Gags
Kunf Fu Panda ist einer der Filme, die ich eigentlich nie im Kino sehen wollte. Nicht erst beim Trailer hats mir abgelöscht. Das wirkte alles so hahnebüchern und ausgelutscht, ganz einfach ausschliesslich für kleine Kinder ohne grosse Ansprüche geeignet zu sein. Schliesslich überredete mich ein Kumpel, der den Film sogar zum zweiten Mal sehen wollte, dazu!
Was soll man sagen ... der Film geht von der ersten bis zur letzten Minute praktisch nur ab! Nicht, dass die Story gross beflügelt (klassische Heldengeschichte ohne grössere Überraschungen oder besonderen Tiefgang), aber das temporeiche, in jedem Moment köstliche Non-Stop-Gag-Gewitter lässt selbst den erfahrenen Zuschauer eine originellere Geschichte nicht wirklich missen. Manch einer mag hier trotzdem konstatieren, dass das ganze noch etwas zur sehr wie eine Aneinanderreihung von Sketches wirkt, als wie ein storygetriebener Film.
Die Gags werden anderseits wieder mit ebenso spassiger, bombastischer Action gewürzt. Eigentlich braucht man sich nicht mal besonders für das Setting zu interessieren, um in den Genuss des Films zu kommen. Das gilt auch für den grafischen Stil, der mich persönlich gar nicht angezogen hat. Doch die anfängliche Abneigung schlug angesichts der bewegten Bilder (im Film, nicht im Trailer!) sofort in Wohlgefallen um. Es ist natürlich nicht so, dass die Schauplätze und Figuren durch Fotorealismus berauschen, aber sie tun dies mindestens ebenso sehr mit ihren herrlich überzeichneten Animationen, welche hinsichtlich ihrer cartoonhaften Gestik und Mimik sogar fast beispiellos sind. Die Kraft der comichaften Abstraktion wird also bravourös ausgenutzt.
Man kann hier Kung Fu Panda durchaus mit Madagascar vergleichen, welcher mit seinen Animationen ebenfalls meisterhaft vorwiegend das comichaft Abstrahierte in Szene setzte, als eine ausserordentlich spannende Geschichte zu erzählen. Im Gegensatz zu Madagascar geht Kung Fu Panda aber nach einer Weile nicht die Puste aus. Im Gegenteil, die Geschichte schreitet beständig voran und die Figuren werden mit der Zeit umso liebenswerter. Kitsch (oder: Gefühle für Kinder?) gibts nur zwischendurch und meist werden selbst emotionale Szenen frech augenzwinkernd auf die Schippe genommen. Witz steht generell vor Action und Spass vor Ernst.
Der Film funktioniert zu einem grossen Teil auch über den erstaunlich liebenswerten Protagonisten Po so gut (hab den Film nur auf Englisch mit Jack Blacks grandioser Arbeit gesehen!). Neben dem resignierten, desillusionierten Meister Shifu und dem sich geistig etwas über den Wolken befindlichen Grossmeister Oogway, soll hier auch der Bösewicht spezielle positive Erwähnung finden. Dieser ist mit einem Wort: eindrucksvoll. Schon klasse, wie er gänzlich ohne die, selbst von Walt Disney mittlerweile gewohnte, für die ganz kleinen Zuschauer eher ungeeignete Grausamkeit auskommt und den Zuschauer dennoch mit Ehrfurcht reagieren lässt. Die Miezekatze geht auch übelst ab, wenn man beispielsweise an ihre Flucht aus dem Gefängnis denkt! Meckern würde ich am ehesten über die fünf Kämpfer. Die sind mir noch zu sehr Staffage bzw. bleiben zu blass. Selbst die Löwin, welche eine zentrale Rolle für die Geschichte einnimmt, fasziniert bedeutend weniger als ihre Meister. Trotzdem ist zumindest in technischer Hinsicht auch hier die Liebe zur Arbeit ungebrochen spürbar.
Insgesamt handelt es sich einfach um einen überaus charmanten, "richtigen" Familienfilm, d.h. einen der nicht nur für die Kleinen geeignet ist.

Fazit: Ein blendend animiertes, fast pausenloses und treffsicheres Gag-Feuerwerk, das nicht nur für die Kleinen geeignet ist! Daür gibts von mir 5 von 6 Punkte.

Freitag, 11. Juli 2008

JOHN RAMBO - uncut (USA 2008) - Filmkritik

Positiv:
  • stimmige, wuchtige Inszenierung
  • schockierende Schonungslosigkeit bei der Gewaltdarstellung
  • zufriedenstellender Stallone
  • glaubwürdige und interessante Söldner (Nebenfiguren)
  • heftigster Showdown

Negativ:
  • kurze, sehr abgedroschene Story ohne Überraschungen
  • brechreiz-erregend klischeebeladener "Bösewicht"

Bei Rambo sollte man seit dem zweiten Teil wenig an Story erwarten, dafür umso mehr an Action! Der vierte Teil geht bei letzterem einen schockierenden Schritt weiter und präsentiert Violence And Bloodshed in, selbst für die heutige Zeit, rabiatester Weise. Ich glaube, ich hab schon seit Saving Private Ryan nicht mehr soviele Menschen unter der archaisch zermalmenden Kugelgewalt verenden sehen. Tatsächlich rangiert John Rambo momentan auf Platz 9 der Filme mit den meisten onscreen Todesfällen (Anzahl: 247; vgl. hier), lustigerweise direkt hinter Saving Private Ryan (255)! Rambo selbst erledigt nachweislich allein im vierten Teil 87 Typen selbst und schafft es damit auf Platz 6 der tötungslustigsten Filmfiguren (vgl. hier).

Eigentlich ist der Film ja nichts besonderes. Er ist für einen Actionfilm viel zu kurz (87 min), seine Figuren machen sozusagen keinen Wandel durch und er erzählt eine völlig abgedroschene Geschichte. Aber wie er erzählt, ist überraschend gut gelungen! Es gibt nur wenige Momente, die mir irgendwie negativ auffielen. Hierzu zählen zweifelsohne alle Szenen, worin der "Bösewicht" stümperhaft einen auf ganz ganz bösen Burschen macht, indem er die meiste Zeit einfach nur mit Sonnenbrille ganz ganz cool an seiner Zigarette raucht, während seine Soldaten Greueltaten begehen. Grauenvoll klischeebeladene Eindimensionalität par excellence! Sowas nimmt diesen äusserst wichtigen Szenen einfach nur die Intensität. Der Film zeigt mit den Söldnern (v.a. dem Anführer) ja, dass es neben Rambo auch noch andere glaubwürdige Figuren geben kann. Sie sind zwar grobschlächtig, aber keine Wahnsinnigen. Zähe Veteranen, aber keine unverwundbare Kampfmaschinen. Stallone selbst macht seine Arbeit zwar nicht hervorragend, aber gut. Er kommt endlich wieder etwas mehr wie ein kriegsgebeutelter Veteran rüber, nicht bloss wie eine Actionfigur wie in Teil 2 und 3.
In technischer Hinsicht kann man dem Film nichts vorwerfen. Die Action sieht super aus und ist über weite Strecken im besten Sinne packend inszeniert und das, ohne sich die ganze Zeit ausschliesslich auf die Schockwirkung der oben erwähnten Gewalt zu verlassen. Persönlich fand ich beispielsweise die Szene sehr spannend, wo Rambo und die Reisegruppe mit ihrem Boot ganz leise am Piratenlager vorbeifahren und welche völlig ohne Action auskommt.
Trotzdem sind die schockierenderen „Gewaltsequenzen“ für mich eindeutig die Stärke des Films. Eigentlich werden in John Rambo ja weniger neue Tabus gebrochen (alles hat man schon mal hier und dort gesehen), diese aber auf ungleich kompakte und schonungslose Weise in wenigen Augenblicken zusammengebracht, dass man schon mal über ne Minute lang das Blinzeln vergisst. Dabei fokussieren Kamera und Schnitt fast nie die Gewalt an sich, sondern diese geschieht wie beiläufig, aber visuell (direkte Auswirkungen) und akustisch eindrücklich. Diese krassen Eindrücke summieren sich und so geht zumindest in zwei Sequenzen (Massaker und Showdown) die Kinnlage unweigerlich und beständig nach unten. Diese Art der Gewaltdarstellung ist natürlich nichts neues, sondern erinnert mich stark an jene in Filmen von Ridley Scott (z.B. Gladiator, Black Hawk Down, Hannibal, Kingdom of Heaven) und Kriegsgeschichten von Steven Spielberg wie Saving Private Ryan oder Band of Brothers. Natürlich ist John Rambo einiges farbenfroher als letztere, verwehrt sich aber den geleckten, knallbunten Bildern eines 300 und dessen geschmeidiger Kampfaction. Statt dessen wird, und das ist einer der Punkte, die so sehr an Spielbergs Kriegsfilme erinnern, reger Gebrauch von progessiven Filtern gemacht, welche das Schlachtgetümmel optisch etwas abgehackt aber immer noch realistischer erscheinen lassen. 300 blieb für mich mit seinem Comic-Look und der Tendenz des Kampfgeschehens zum plakativen Todes-Ballett ohnehin noch zu sehr auf der ästhetischen Ebene und war deshalb weniger eindrücklich als John Rambo, der allgemein mehr auf Realismus setzt.
Bereits die Kinoversion von John Rambo war gelinde gesagt: ultrabrutal. In der uncut-Fassung finden nun nochmals zwei Minuten Gewaltmaterial wieder in den Film. Während das Massaker im Dorf schon im Kino ungekürzt war (!), erhält der Schluss“kampf“ eine Minute ausschliesslich sich explosiv im Raum verbreitenden Bluts zurück und wird für mich dadurch aufgewertet. Schliesslich soll der Höhepunkt eines Filmes ja nicht in der Mitte stattfinden (Dorfmassaker), sondern am Ende! :)
Eins ist aber sicher: meine minderjährigen Geschwister kriegen den Film auf keinen Fall zu sehen!

Fazit: Für mich haben sie Rambo völlig zufriedenstellend in unsere Zeit gebracht und gezeigt, dass auch noch eindrückliche, ultrabrutale Actionfilme jenseits von Comicverfilmungen möglich sind. Rambo-Fans und Anhänger härtester „realistischer“ Kriegs-Action dürften nicht enttäuscht werden! Dafür gibts von mir fünf von sechs Punkten.

Donnerstag, 3. April 2008

JUMPER (USA, 2008) - Filmkritik


Positiv:
  • coole Grundidee (jumpen mit plausiblen Einschränkungen)
  • Schauspiel von Jamie Bell
  • Schauspiel von Rachel Bilson (in der ersten Hälfte)

Negativ:
  • Schauspiel von Hayden Christensen!
  • platter Bösewicht
  • enttäuschend unspektakuläres Ende (inhaltlich und ästhetisch)

Ich geb zu, ich bin selbst schuld. Ich war bereits spektisch, als ich wusste, wer die Hauptrolle spielen und wer Regie führen wird. Doch letzterer hatte ja nicht nur den belanglosen Mr & Mrs Smith gedreht, sondern auch den gelungenen The Bourne Identity (richtig gut sind aber erst die Nachfolger). Und ersterer ... vielleicht würde er es endlich fertig bringen, eine solide Darstellung abzuliefern. Gehofft, enttäuscht; der Film ist statt eines originellen Action-Feuerwerks wohl eher ein Rohrkrepierer geworden (ein abgerundetes 2/6, wobei 6 die Höchstbewertung ist; vgl. hier).
Der Anfang des Films ist durchaus erfolgsversprechend. Das ist nicht nur auf die Inszenierung zurück zu führen, sondern auch auf Max Thieriot, der den jungen Jumper spielt. Doch sobald Hayden Christensen auftaucht, beginnt der Film in sich zusammen zu fallen. Er ist einfach eine Fehlbesetzung. Zwar stört er mich persönlich nicht dermassen wie in der dritten Star Wars-Episode, weil das Drehbuch und die Regie von Jumper ohnehin nicht zufriedenstellend, gar eine Enttäuschung sind, legt aber noch eins oben drauf. Ok, Haydens Figur ist ein arrogantes Arschloch, das macht Sinn, bedenkt man seine Superkraft. Aber dermassen nicht interessiert bzw. unsympatisch fand ich eine Figur, für die man sich interessieren sollte, seit Gong Li (und das ist eigentlich eine gute Schauspielerin, v.a. in Leben!) als Isabella in Miami Vice (ein anderer 2/6-Film) nicht mehr. Es ist mir beispielsweise völlig unverständlich, dass er nicht einmal angesichts seiner immer noch beständigen Jugendliebe in keinem Moment ein herzerwärmtes, sympathisches Lächeln aufzusetzen vermag. Dabei muss man bedenken, dass seine Figur ihre Haltung dem Mädchen gegenüber zwar verändert (er vertraut ihr schliesslich sein Geheimnis an), man davon aber nichts im Schauspiel des Darstellers sehen kann, sodass die Figur quasi eindimensional bleibt. Die ganze Beziehung zwischen David (Hayden Christensen) und Millie (Rachel Bilson) ist vorwiegend aufgrund Haydens Missinterpretationen schlichtweg unglaubwürdig. Ich werd das Gefühl nicht los, dass er gar nie für die Rolle vorgesehen war.
Ein weiterer Grund, weshalb sein Versagen so hervor sticht, ist, dass Rachel Bilson ihre Arbeit sehr gut macht – zumindest in der ersten Hälfte. In der zweiten versagt zunehmend auch das Drehbuch, so dass ihre Figur überhaupt nichts mehr zu melden hat und zum blossen weiblichen Accessoire verkommt. Negativ aufgefallen ist mir Rachel als Schauspielerin lediglich in der Szene, in der David sich als Jumper outet und sie eine arg aufgesetzt wirkende Reaktion bringt. Der Punkt ist aber, dass sie, zusammen mit dem durchwegs überzeugend agierenden Jamie Bell, in jeder Szene Hayden gnadenlos die Show stiehlt – oder treffender gesagt: sie bieten die einzige Show. Denn selbst der Gegenspieler, Roland (Samuel L. Jackson) bleibt enttäuschend blass. Seine Figur funktioniert für mich nicht, weil sie einfach NUR böse ist (das ist kein Märchen, ich will einen mehrdimensionalen Bösewicht, nicht das absolute Böse!). Man kann nun einwerfen, dass er religiös motiviert wird, doch dafür hat er viel zu wenig, im Grunde nichts mysteriöses oder mystisches an sich. Samuel L. Jacksons Potential wird nicht genützt.
Das letzte grosse Defizit des Films ist sein formaler Höhepunkt. Der „Showdown“, die letzte Hoffnung des Films, ist wirklich ein Witz. Es passiert sowohl auf der inhaltlichen wie auch auf der ästetischen Ebene schlicht nichts spektakuläres (ich frage mich ernsthaft, wo die ganzen 85 Millionen hin sind; Stardust kostete beispielsweise 65 Millionen).
Zusammenfassend gesagt, kommt das gute an dem Drehbuch ausschliesslich von der Grundidee (das Jumpen mit den Implikationen, dass man dabei für ein paar Minuten ein Wurmloch hinterlässt und nur an einen Ort springen kann, den man bereits gesehen hat). Mein guter Kumpel Alex hat das ganze am treffendsten zusammengefasst: Der Film wäre in dieser Form ein guter Pilot für ne TV-Serie gewesen, aber niemals etwas fürs Kino.
Leider Gottes ist es inzwischen bestätigt (war ohnehin offensichtlich), dass es einen Nachfolger gibt. Ich weiss nicht, ob jemand in irgend einer Weise motiviert ist, aber ein weiterer Jumper ereignet sich ziemlich sicher ohne mich. Es gibt nicht mal nen anständigen Cliffhanger – wobei, eigentlich sollte man dafür dankbar sein...